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Wertschöpfung statt Abschöpfung
 
Wertschöpfungsketten bringen Entwicklung voran

Wirtschaftsanalysten, Unternehmer und Bankers sprechen gelegentlich von Wertschöpfung und meinen damit wirtschaftliche Tätigkeiten, die einem Produkt mehr Wert geben. So schafft zum Beispiel die Veredlung von Trauben zu Wein einen grossen Mehrwert. Der Winzer und die übrigen Beteiligten erarbeiten sich dadurch ein höheres Einkommen.

Neue Arbeitsplätze


In den Entwicklungsländern, die eine sehr hohe Arbeitslosenrate aufweisen, vermag die Förderung von Wertschöpfungsketten neue Arbeitsplätze zu schaffen, vor allem in der Landwirtschaft. Wertschöpfungsketten meinen alle wirtschaftlichen Tätigkeiten von der Produktion des Rohmaterials über verschiedene Stufen der Verarbeitung, Lagerung, Verpackung und Transport bis hin zum Endverkauf an die KonsumentInnen.

Auf Nachfrage eingehen

In Togo und Benin unterstützt Brücke · Le pont mehrere Bauerngruppierungen in der Organisation von Wertschöpfungsketten. Zunächst geht es darum, herauszufinden, welches Produkt in welcher Qualität auf dem Markt gefragt ist. KonsumentInnen ziehen oft eine bestimmte Sorte Reis vor. Oder sie bevorzugen eine bestimmte Art der Verarbeitung z.B. von Früchten. Neu im Trend sind auch biologische Produkte. Und immer muss der Preis stimmen. Für diese Abklärungen besprechen sich die BäuerInnen mit den HändlerInnen und mit Endabnehmern wie Restaurateuren. Dann entschliessen sie sich für ein oder zwei Produkte – z.B. für Poulet, Kaninchen, Reis, Soja, Palmöl, Maniok, Tomaten oder Kohl – und produzieren sie nach verbesserten Methoden und im Erfahrungsaustausch über Schwierigkeiten und Erfolge. Mit einer diversifizierten Nebenproduktion vermindern die Bauernfamilien Risiken und sichern ihre eigene Ernährung.

Allianzen bilden

Um das Funktionieren der ganzen Wertschöpfungskette zu sichern, treffen die Bäuerinnen und Bauern Absprachen mit den Personen und Gruppierungen, welche die Produkte weiter verarbeiten, transportieren, vermarkten oder direkt bei ihnen beziehen. Je nach Produkt sind viele unterschiedliche Akteure am ganzen Prozess beteiligt. Die Absprachen verhelfen den ProduzentInnen nicht nur zu einer gesicherten Abnahme ihrer Waren, sie ermöglichen auch Anpassungen, die allen Beteiligten dienlich sind, und schaffen win-win Situationen. Allianzen unter den verschiedenen Akteuren sind auch für die Lobbyarbeit nützlich. Während der Nahrungsmittelkrise von 2008 wurden in Togo die Beteiligten der Wertschöpfungskette Reis bei den Behörden vorstellig und erreichten bessere Rahmenbedingungen für diesen Sektor.

Abschöpfung statt Wertschöpfung

Der Begriff Wertschöpfung wird in unzulässiger Weise auch für spekulative Finanzgeschäfte verwendet, die keinen produktiven Mehrwert erbringen, sondern den Gewinn von produktiven Aktivitäten bloss abschöpfen, also die Produzenten der Wertschöpfung um ihren Gewinn bringen. Die Finanzspekulationen bewirken nicht nur eine ungerechte Gewinnverteilung, sie bergen auch Risiken, die das gesamte Wirtschaftsgefüge ins Wanken bringen können, wie dies die aktuelle Wirtschaftskrise zeigt. Gewisse Spekulationen provozieren geradezu Krisen, um daraus Kapital zu schlagen. Zur Eindämmung der Spekulationen und ihrer Risiken erwägen Weltbank und IWF nun (endlich) die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Und US-Präsident Obama will den Banken die risikoreichen Finanzspekulationen per Gesetz verbieten.

Arbeit in Würde
Brücke · Le pont setzt sich mit seinem Programm „Arbeit in Würde“ dafür ein, dass benachteiligte Menschen Arbeit haben und für ihre Arbeit einen fairen Lohn bzw. für ihre Produkte faire Preise erhalten – und davon würdig leben können.
 



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