Die Tage sind selten geworden, an denen der UNO-Sicherheitsrat mit geeinter Stimme spricht. Der 24. Januar dieses Jahres war so ein Tag. Die Mitglieder des mächtigen Gremiums «verurteilten die terroristischen Attacken in der Point Triple Area in Benin aufs Schärfste». Dort, im Norden des Landes, griffen nach der Jahreswende bewaffnete Gruppen aus Niger und Burkina Faso einen gut ausgerüsteten Militärstützpunkt der beninischen Armee an.

Die Gruppe Jama’at Nusrat al-Islam wal Muslimin (JNIM), die der al-Qaida nahesteht, reklamiert den Angriff für sich. Rund 30 Menschen starben bei dem Angriff.

Mit Gewalt zum Meer

Der westafrikanische Küstenstaat Benin grenzt im Norden an die beiden Binnenländer Niger und Burkina Faso. Dort grassiert die Armut, und gewaltbereite Gruppen erstarken und machen auch vor Landesgrenzen keinen Halt. Und das nicht erst seit dem tödlichen Anschlag im Januar dieses Jahres. Bereits 2022 warnte Acled, eine US-amerikanische Nichtregierungsorganisation, die Pionierarbeit in der Aufbereitung von Konfliktdaten leistet, dass der «Dschihad Fuss fasst im Norden Benins».

Die Destabilisierung hat für die radikalen Gruppen einen strategischen Grund: Sie wollen direkten Zugang zum Meer. Denn auch Gewaltakte kosten Geld, und der Grossteil des Welthandels findet nach wie vor auf Containerschiffen statt.

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Les Peuls, un peuple nomade, font partie du projet de Brücke Le Pont dans le nord du Bénin.

Dass der afrikanische Kontinent in der westlichen Berichterstattung grundsätzlich unterrepräsentiert ist und dies Herausforderungen in der politischen Arbeit und in der Mittelbeschaffung mit sich bringt, ist auch für Brücke Le Pont nichts Neues. Ungewöhnlich ist allerdings, dass der Konflikt selbst in Benin nur unzureichend beachtet wird. Weshalb? Die Regierung will den Schein eines friedlichen Landes wahren. Für die lokalen Partner:innen von Brücke Le Pont birgt dies aber Probleme beim Erschliessen von Einkommensquellen. Denn solange die Regierung die Augen vor dem Konflikt verschliesst, drosselt sie auch die Finanzierung derjenigen Akteure, welche einer Eskalation präventiv entgegenwirken.

Eine starke Zivilgesellschaft

Im Rahmen des Programms «Arbeit in Würde» arbeitet Brücke Le Pont an der Stärkung des sozialen Zusammenhalts. Im Norden Benins geschieht dies durch das Projekt Karité, das insbesondere Frauen den Zugang zur profitablen Produktion von Sheabutter ermöglicht. Durch die Kooperativen erhöhen die Projektteilnehmer:innen ihr Einkommen und verringern das gesellschaftliche Misstrauen, das radikale Gruppen schüren und sich zunutze machen. Auch die nomadischen Fulani, die den sesshaften Menschen fremd sind und denen oft mit Misstrauen begegnet wird, und geflüchtete Menschen nehmen inzwischen an dem Projekt teil.

So trägt der soziale Zusammenhalt entscheidend dazu bei, dass gewaltbereite Gruppen vom Meer ferngehalten werden. Noch. Denn so hartnäckig die Regierung wegschaut: Die Region wird fragiler. Das ist den Behörden durchaus bewusst. So räumte etwa der beninische Oberst Faizou Gomina nach dem gewaltsamen Überfall im Januar ein: «Wir haben einen schweren Schlag erlitten.»

Dieser Beitrag ist im Peacebuilding Magazine der Schweizer Plattform für Friedensförderung erschienen.