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Zwei Worte, eine Philosophie: Faire Arbeit. Dafür steht Brücke Le Pont ein. Das ist unsere Daseinsberechtigung. Faire Arbeit bedeutet unter anderem, mit unseren Partner*innen vor Ort Berufsbildungskurse für armutsbetroffene Menschen anzubieten. Es bedeutet auch, Richtverträge für Landarbeiter*innen in Westafrika auszuhandeln, damit diese nicht mehr ausgebeutet werden.
Während wir bei Brücke Le Pont diese direkten Ansätze immer wieder mit Erfolg verfolgen, integrieren wir auch sogenannte Transversalthemen in unsere Arbeit. Wenn sich beispielsweise die Sicherheitslage im Norden Benins verschlechtert, berücksichtigen wir diesen Aspekt in unsere Projektplanung und stärken die soziale Kohäsion. Auch ist es oft der Fall, dass Frauen in Niedriglohnsektoren systematisch entrechtet werden. Dann stellen wir die Gleichstellung der Geschlechter mehr in den Mittelpunkt. Dies tun wir beispielsweise in Honduras. Dort stehen wir zusammen mit unseren Partner*innen vor Ort konsequent für ihre Rechte im Textilsektor ein.
Vor einigen Wochen bin ich von meiner Programmreise aus Honduras zurückgekehrt. Das Land erholt sich langsam vom Staatstreich aus dem Jahr 2009, welcher eine Diktatur bis ins Jahr 2022 losgetreten hat. Im November dieses Jahres stehen die ersten Wahlen seit der Rückkehr zur Demokratie an. Doch Honduras befindet sich weiterhin in einem fragilen Zustand, auch wenn sich Institutionen mehr und mehr stabilisieren.
Diese Entwicklung ist zwar ambivalent, gibt aber doch Zuversicht. Denn sie ermöglicht allen voran Rahmenbedingungen, innerhalb derer unsere Partnerorganisation Colectiva de Mujeres Hondureñas (Codemuh) besser strukturell für die Rechte der Textilarbeiter*innen einstehen kann. Das ist wichtig, denn die Menschen – oft sind es Frauen – arbeiten oft unter prekären Bedingungen: Ausbleibende Sozialleistungen, Weigerungen der Fabrikbesitzer, die Löhne auszuzahlen, teils werden die Frauen sogar zu Schwangerschaftsabbrüchen gezwungen. Die menschenrechtliche Situation der Textilarbeiter*innen ist in vielen Fällen katastrophal.
Umso erfreulicher war es, zu sehen, wie sich das Projekt Obreras de Maquila von unserer Partnerorganisation Codemuh in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat. Es ist bemerkenswert, wie viel Fachwissen und Glaubwürdigkeit die Frauenorganisation, welche als Grassroots-Bewegung gestartet ist, inzwischen angesammelt hat. So ist etwa die Geschäftsleiterin Maria Luisa Regalado in Sachen Arbeitsrecht inzwischen derart kompetent, dass sie bei staatlichen Stellen als Koryphäe eingeschätzt wird. Regelmässig trifft sie sich mit dem Chef des Bundesgerichts und bespricht mit ihm die Situation der Textilarbeiter*innen. Staatliche Instanzen wie das Regionalbüro für Arbeitsrecht konsultiert zu Fragen, die Textilarbeiter*innen betreffen.
«Wissen über Arbeitsrechte geht wie eine Welle der Sensibilisierung durch die vulnerable Branche.»
Dies zeigt: Das Projekt geniesst in Honduras eine enorme Relevanz. Und das ist wichtig, denn Entwicklungszusammenarbeit kann nur dann funktionieren, wenn mit dem Staat ein Verhältnis etabliert wird, das eine Arbeit vor Ort überhaupt möglich macht. Die Beziehungspflege zu den Behörden kann ein Drahtseilakt sein, ist aber letztlich entscheidend, dass Brücke Le Pont zusammen mit ihren Partner*innen vor Ort die Projektarbeit möglichst effizient gestalten kann. Im Fall von Obreras de Maquila fliesst die arbeits- und menschenrechtliche Kompetenz der Organisation sogar in die Rechtsprechung der höchsten Gerichte ein.
Besonders auffällig bei Obreras de Maquila: Die Projektteilnehmer*innen selbst sind aktiv. Sie organisieren sich in Whatsapp-Chats, beraten sich gegenseitig. Wissen über Arbeitsrechte geht wie eine Welle der Sensibilisierung durch die vulnerable Branche. Die Frauen von Codemuh werden selbst zu sogenannten «lideresas», also «Anführerinnen», sind inzwischen nationale Expertinnen für Arbeitsrechte. Und vor Gericht zeigt sich: Sie gewinnen ihre Fälle.
Die Entwicklungen im Projekt Obreras de Maquila sind beeindruckend. Und sie zeigen auch, wie wichtig der Faktor Zeit in der Entwicklungszusammenarbeit ist. Brücke Le Pont setzt methodisch auf «locally led development», oft auch Lokalisierung genannt. Das bedeutet: Wir haben die langfristige Wirkung im Blick, arbeiten über Jahre mit unseren Partner*innen zusammen. So ist auch eine Transformation einer Organisation möglich, die inzwischen weit mehr ist als eine feministische Grassroots-Bewegung. Sondern eine nationale Grösse in Sachen Arbeitsrecht.
Faire Arbeit. Zwei Worte. Eine Philosophie. Und, wie im Falle von Obreras de Maquila, die Verbesserungen Tausender Lebensrealitäten. Denn hinter jedem gewonnenen Gerichtsfall liegen Schicksale verborgen. Familien finden dank des Projekts den Weg aus der Armut, Jugendliche können zur Schule gehen, Frauen müssen sich nicht mehr davor fürchten, dass ihre Arbeit nicht bezahlt wird. Es sind diese Lebensrealitäten, die uns wichtig sind. Darum geht es in unserer Arbeit: um Menschen.