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Wer wissen will, wie es um die Solidarität der Schweiz mit dem Globalen Süden steht, zieht die APD-Quote heran. Die «aide publique au développement», also die öffentliche Entwicklungshilfe, wird durch diese Quote ins Verhältnis mit dem Bruttoinlandprodukt gesetzt. Das UNO-Ziel, zu dem sich der Bund bekennt, beträgt 0.7 Prozent. Das Mindestziel der Schweiz, worauf sich das Parlament 2011 geeinigt hatte, ist 0.5 Prozent.
Publiziert werden die Zahlen von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Dabei werden die inländischen Asylkosten dazugerechnet. Gleichzeitig publiziert die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) eine reale APD-Quote, welche die inländischen Asylkosten ausklammert. Für das Jahr 2025 betrug diese 0.36 Prozent – der tiefste Wert seit 15 Jahren.
Seit 1960 weist der Bund die APD-Quote aus. Selbst bei der wohlwollendsten Betrachtung, also indem man das parlamentarische Mindestziel von 0.5 Prozent heranzieht sowie die Asylkosten hinzurechnet, löst die Schweiz in nur fünf Fällen ihr Versprechen ein. Gleichzeitig erreicht sie nie das UNO-Ziel von 0.7 Prozent, noch klettert die reale APD-Quote jemals über 0.5 Prozent. Ein Armutszeugnis, insbesondere, weil andere Länder wie Norwegen, Luxemburg oder Schweden zeigen, dass es auch anders geht.
Die Zahlen sind alarmierend. Denn wer sie im Lichte der Lebensrealitäten der Menschen vor Ort liest, erkennt, dass sie armutsfördernd, perspektivraubend und nicht zuletzt tödlich sind. So hat die Fachzeitschrift The Lancet prognostiziert, dass durch die Zerschlagung der US-amerikanischen Entwicklungsagentur USAID bis 2030 über 14 Millionen Menschen sterben dürften. Rund 4 bis 5 Millionen davon: Kinder unter fünf Jahren.
Brücke Le Pont sieht, wie der Einbruch der Entwicklungsgelder der reichen Industrienationen – die OECD spricht von einem «historischen Rückgang» – die Menschen in Westafrika und Zentralamerika vor riesige Herausforderungen stellt. Nicht zuletzt, weil die Gewalt vor Ort zunimmt. Im Norden Benins etwa, wo Brücke Le Pont mit ihrer Partnerorganisation AFVA Tausende Frauen bei der Produktion von Karité-Butter unterstützt, breitet sich der Terrorismus immer mehr aus. 2025 war das tödlichste Jahr seit Beginn des Konflikts an der Grenzregion zu Burkina Faso und Niger.
Uns ist klar: Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung sind der Nährboden für Radikalisierung. Wer Entwicklungszusammenarbeit stärkt, fördert die Sicherheit im In- und Ausland. Das steht inzwischen auch in der sicherheitspolitischen Strategie des Bundes: «Armut, Ungleichheiten, Klimawandel und Ressourcenknappheit begünstigen Konflikte und Instabilität. Die Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Friedensförderung sind deshalb integrale Bestandteile der sicherheitspolitischen Prävention der Schweiz.»
Selbst wer das Argument von vermeidbaren Todesfällen und einer unvollständigen Sicherheitsarchitektur unterschlägt: eine starke IZA ist von demokratischer Dringlichkeit. Einmal mehr hat eine repräsentative Umfrage der ETH nämlich gezeigt: Ein überwältigender Teil der Schweizer Bevölkerung stellt sich gegen Kürzungen.