Die Welt wird gewalttätiger. Gemäss verschiedenen Kompetenzzentren für Konfliktforschung sind die Waffenlieferungen in den vergangenen Jahren ebenso signifikant gestiegen wie die staatlich geführten Kriege.

Brücke Le Pont fördert die Wirtschaft vor Ort, indem das Arbeitsrecht gestärkt wird, Berufsbildungen gefördert werden und die lokalen Märkte nachhaltig strukturiert werden, um Einkommensmöglichkeiten und Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei setzt Brücke Le Pont auf die Kompetenzen der Partner*innen vor Ort.

Doch Wirtschaftsförderung bedeutet auch, die Menschen und lokalen Wirtschaftszweige auf sogenannte globale Schocks vorzubereiten. Das war 2022 der Fall, als Russland im Zuge seiner völkerrechtswidrigen Invasion in die Ukraine die Getreideausfuhr blockierte und so Millionen von Menschen auf dem afrikanischen Kontinent in eine Ernährungskrise stürzte. Das ist jetzt der Fall, nachdem der Iran nach dem völkerrechtswidrigen Angriff der USA und Israel die Strasse von Hormus schlos und so das Angebot von Düngemittel verknappte – ebenfalls ein Völkerrechtsverstoss.

Importierte Düngemittel zerstören die Böden

Düngemittel? Iran? Was hat das mit der Arbeit von Brücke Le Pont zu tun? Das grösste Zentrum für Düngemittelproduktion der Welt befindet sich in Westasien. Gerade das Düngemittel, das auf dem Weltmarkt gehandelt wird, kommt von dort. Denn auch wenn Indien, die USA oder China ebenfalls Düngemittel produzieren, bleibt dieses vor allem im eigenen Land.

«Wir fördern im Rahmen unserer Projekte explizit die Herstellung von Kompost, Insektiziden und Fungiziden mit Materialien vor Ort. So entkoppeln wir das lokale Wirtschaftssystem teilweise von weltwirtschaftlichen Krisen.»
Nicole Bolliger, Co-Leitung Westafrika-Programm

Am stärksten betroffen: die ärmsten Länder. Wie die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Benin und Togo. Denn: Weil die Schliessung der Strasse von Hormus das Angebot von Düngemittel verknappt hat, wird die Ware teurer. So teuer, dass es sich Landwirte und Landwirtinnen in Togo und Benin nicht mehr leisten können, ohne den Verkaufspreis der landwirtschaftlichen Produkte zu erhöhen. Dies wiederum hat reale Auswirkungen auf die Ernährung von der armutsbetroffenen Bevölkerung, welche 70% oder mehr ihres Einkommens für Lebensmittel ausgibt.

Nicole Bolliger, Co-Verantwortliche Westafrika von Brücke Le Pont, hat diese Risiken auf dem Schirm. Sie weiss, dass die westafrikanischen Staaten Düngemittel vor allem importieren. «Vor allem staatsnahe Unternehmen und Dachverbände sehen sich in dieser Rolle», sagt sie. Die Mittel, die importiert würden, seien nicht nur von den Launen der Weltwirtschaft abhängig. Sondern auch häufig biologisch nicht abbaubar und entsprechend schlecht für die Böden. «In Togo und Benin sind die Böden in vielen Fällen ausgelaugt, übersäuert», erklärt Nicole Bolliger. Eine typische Folge durch Überdüngung oder den Einsatz von Pestiziden.

Bessere Bodenqualität

Wer die Wirtschaft vor Ort fördern will, ist von solchen Entwicklungen betroffen. Deshalb haben Brücke Le Pont und ihre Partner*innen vor Ort Strategien entwickelt, um auf globale Schocks resilient reagieren zu können. Nicole Bolliger sagt: «Wir fördern im Rahmen unserer Projekte explizit die Herstellung von Kompost, Insektiziden und Fungiziden mit Materialien vor Ort. So entkoppeln wir das lokale Wirtschaftssystem teilweise von weltwirtschaftlichen Krisen.» Krisen, die in der zunehmenden Erosion des Völkerrechts in Zukunft mit immer grösserer Wahrscheinlichkeit eintreffen werden – zwischen der von Russland befeuerten Getreidekrise und der Schliessung der Strasse von Hormus liegen gerade einmal vier Jahre.

IMG 20210113 094526 0 Sortieren der Karitenuesse

Frauen sortieren Karité-Nüsse. Teil des Projekts im Norden Benins ist auch die Herstellung organischen Komposts.

Doch auch die Bodenqualität wird durch die Verwendung von biologischem Düngemittel verbessert. Entscheidend sei dabei, dass die Projektteilnehmer*innen wissen, welche Mittel für welche Pflanze eingesetzt werden müssen, sagt Nicole Bolliger: «Während hochgiftige und importierte Pestizide oft einfach über ein ganzes Feld gespritzt werden und dieses dabei gleichzeitig zerstört wird, müssen wir bei den lokal produzierten Sorten genau kennen, welche Mittel zu welcher Pflanze und der Krankheit passt.» Dies sei allerdings keine hohe Hürde, die Vermittlung des Wissens von den Partnerorganisationen an die Projektteilnehmer*innen funktioniere gut.

Ein stärkeres Wirtschaftssystem

Bodenqualität, Autarkie, Preiswertigkeit: Es gibt viele Gründe, wieso Brücke Le Pont und die Partner*innen vor Ort auf die Produktion nachhaltiger Düngemittel setzt. Ein letzter Pluspunkt: die Chance der Projektteilnehmer*innen, damit ihr Einkommen zu steigern. «Wenn die Menge importierter Düngemittel abnimmt und zugleich teurer wird, bedeutet das eine Wertsteigerung der lokal produzierten Produkte», erklärt Nicole Bolliger. So könne es sein, dass die Menschen in unseren Projekten nicht nur resilienter auf globale Schocks reagieren können. Sondern in einer Zeit der Knappheit im Land sogar zu wichtigen Anbieter*innen für andere Kleinbäuer*innen werden. Und wohl sogar Nachahmer*innen finden, die wiederum das lokale Wirtschaftssystem stärken.