Brücke Le Pont steht für faire Arbeit ein. Und zwar mit einem kohärenten Ansatz. Das bedeutet: Unsere Arbeit soll nicht nur in unseren Programmländern ihre Wirkung entfalten. Sondern auch insgesamt in übergeordneter Weise. Deshalb ist es für mich wichtig, mich in der ILO einzubringen. Weil dort internationale Regeln vereinbart werden, die für alle gelten.

In der Kommission sind Vertreter*innen von Regierungsseite, den Arbeitgeber*innen und den Arbeitnehmer*innen. Der Vorstand unserer Trägerorganisation Travail.Suisse hat mich als Vertreterin der Arbeitnehmer*innen für die TPK-ILO nominiert, der Bundesrat mich gewählt. In dieser Zusammenstellung verhandeln wir über arbeitsrechtliche Regeln der ILO. Dabei ist die Schweiz nicht allein: Die ILO ist eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, jedes Land organisiert solche Gremien.

Die BRICS-Staaten – also Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – werden wirkungsmächtiger. Das hat damit zu tun, dass die reichen, sogenannt westlichen Staaten die strukturellen Bedingungen, welche die globale Ungleichheit vergrössern, nicht angepackt haben. Russland und insbesondere China haben in diesen Ländern in den letzten Jahren stark an Einfluss gewonnen. Die Staatsverschuldung insbesondere der Länder auf dem afrikanischen Kontinent ist in den vergangenen Jahren wieder enorm angestiegen.

Bereits die Zinsen, welche diese Länder an Staaten im Globalen Norden zahlen müssen, verhindern den Weg aus der Armut. Und sind Teil des Nährbodens für ausbeuterische Arbeitsverhältnisse.

Ich merke, dass meine Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit gefragt ist. Ich kann Brücken schlagen zum Globalen Süden, die Realität der Menschen in unseren Programmländer in die Verhandlungen einfliessen lassen. Brücke Le Pont arbeitet strukturell. Die Arbeit bei der ILO ermöglicht uns, eine Hebelwirkung durch systemische Veränderungen herbeizuführen. Was in der ILO entschieden wird, ist Völkerrecht. Und Völkerrecht gilt für alle – egal ob in Benin, El Salvador oder in der Schweiz.