Während sich der Arbeitsmarkt in der Schweiz von der Covid-19-Pandemie erholt, spürt Lateinamerika ihre Auswirkungen stärker als jede andere Region der Welt. Millionen von Menschen sind ohne Arbeit und Einkommen. In El Salvador lebt inzwischen gemäss Schätzungen mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Armut.

Gerade für Jugendliche aus armen, von Gewalt geprägten Quartieren gestaltet sich die Jobsuche auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt noch schwieriger als zuvor. Umso wichtiger ist es, dass sie eine Ausbildung vorweisen können und Unterstützung bei der Jobvermittlung erhalten. Mit dem Projekt Vista Hermosa stärkt Brücke Le Pont 800 junge Menschen aus prekären Verhältnissen im Grossraum San Salvador ganzheitlich und nimmt gleichzeitig Arbeitgeber*innen in die Pflicht.

Kompetenzen für den Job und darüber hinaus

Viele der Jugendlichen wissen nicht, was sie mittelfristig in ihrem Leben erreichen möchten und welche Wege ihnen offenstehen. Das Projekt setzt deshalb schon hier an: Bevor sie mit ihrer fachlichen Ausbildung starten, erarbeiten die Jugendlichen ein sogenanntes Lebensprojekt (spanisch «proyecto de vida»), wo sie ihre Stärken und Interessen evaluieren und konkrete Ziele für ihre berufliche und persönliche Zukunft entwickeln. Zusammen mit dem Projektteam analysieren sie ihre aktuelle Situation und definieren klare nächste Schritte.

Ausbildung in der Schule und im Unternehmen

Wie alle Berufsbildungsprojekte von Brücke Le Pont bietet Vista Hermosa nicht nur Ausbildungen, sondern unterstützt die Jugendlichen auch beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. Die lokale Partnerorganisation von Brücke · Le pont, SSPAS, hat sich ein Unternehmensnetzwerk aufgebaut und ist dafür bekannt, dass sie qualifizierte und vertrauenswürdige junge Fachkräfte vermittelt.

Ausserdem spannt SSPAS die Unternehmen aktiv ein: Zum einen werden sie für die Gestaltung der Kursinhalte beigezogen und können erklären, welche Kompetenzen für ihre Mitarbeitenden wichtig sind und welche Ausbildungsmodule nicht fehlen dürfen. Zum andern findet der praktische Teil einiger Berufskurse direkt in einem Unternehmen statt. Das ist für El Salvador aussergewöhnlich, denn das System der Lehre ist dort nicht üblich. Alle Beteiligten haben aber in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Oscar Ávalos, Abteilungsleiter einer Firma, die «Lehrlinge» im Kundendienst ausbildet, lobt die jungen Projektteilnehmenden: Sie seien sehr motiviert, machten dank der Kurse eine bemerkenswerte Entwicklung durch und seien eine grosse Bereicherung für die Firma.

Um langfristig gute Perspektiven für die Jugendlichen zu schaffen, schult SSPAS zudem Unternehmen für ein offenes und faires Arbeitsklima und setzt sich gegen Arbeitsrechtsverletzungen ein.